Eine Katastrophe kommt selten allein –
Bianka Minte-König und Thomas Fuchs über ihr gemeinsames Mädchen-/ Jungenbuch-Projekt

Darum geht's:
Kiki gerät durch Timo, ihre Grundschulliebe, in einige Turbulenzen. Timo setzt nämlich alles daran, Kikis Herz wieder zu gewinnen. Doch Kikis Herz schlägt mittlerweile nur für Meik. Oder wird Timo sie doch wieder für sich erobern können?
Im Mädchen- /Jungenbuchprojekt von Bianka Minte-König und Thomas Fuchs wird einiges geboten: Blind Dates, Kuppelversuche, Lügen und große Gefühle. In „Jungs & andere Katastrophen“ wird aus Kikis, in „Mädchen & andere Katastrophen“ aus Timos Sicht erzählt. Doppelter Lesespaß für alle, die beim anderen Geschlecht mal hinter die Kulissen schauen wollen!

Was unterscheidet Mädchen von Jungs, Frau Minte-König?
„Mädchen sind Beziehungs-Spezialistinnen. Schon in der Pubertät haben sie Interesse und ein gutes Gespür für Liebe, Freundschaft und Partnerschaft. Jungen stehen dem eher etwas hilflos gegenüber."

Was meinen Sie Herr Fuchs, worin unterscheiden sich Jungs von Mädchen?
„Jungen sind einfach konkreter. Sie wollen wissen und ausprobieren, was sich bei ihnen und den Mädchen durch die Pubertät verändert hat. Und da sind die körperlichen Dinge besonders interessant. Ist diese Neugier befriedigt, können auch sie zu wahren Beziehungs-Spezialisten werden. Mädchen denken da eher umgekehrt."

Was finden Mädchen an Jungs katastrophal, was können Jungs an Mädchen nicht ausstehen?
Minte-König: „Mädchen finden es katastrophal, dass Jungen ihre Gefühle ständig hinter Macho-Gehabe verstecken. Ein Junge, der mal offen auf ein Mädchen zugeht und ihm sagt, dass er es toll findet, ist eher die Ausnahme. Stattdessen Pfiffe, rüde Anmache oder übertrieben zur Schau getragene Interesselosigkeit, obwohl die Hormone Salsa tanzen und dem Typ beim Anblick des Mädchens der Sabber im Mund zusammenläuft."
Fuchs: „Jungen wollen ernst genommen werden und nichts ärgert sie mehr, als wenn sich Mädchen als die Klügeren, die Weiteren aufspielen. Zudem ist es schwer für die meisten Kerle zu verstehen, was Mädchen eigentlich wollen. Und noch schwerer ist es zu verstehen, warum Mädchen sich eigentlich immer in die falschen Kerle verlieben. Dabei wissen doch wir Männer viel besser, wer der Richtige für sie ist." : )

Was ist Kiki für eine?
Minte-König: „Kiki ist ein Mädchen, das gelernt hat, sich im Leben durchzuboxen. Sie hat viel Charme, ist frech und stellt sich dem Auf und Ab der Lebensachterbahn mit sehr viel Mut. Sie hat zwar auch ihre seelischen Tiefpunkte, ist aber ein positiv denkender Mensch mit einem ziemlich guten inneren Coach. Da sie aber nicht immer auf den hört, gerät sie leicht in peinliche Situationen und löst auch mal selber mittlere Katastrophen aus. Chaosqueen!"

Und was ist Timo für ein Typ?
Fuchs: „Timo ist ein Junge, der mitten im Leben steht. Der seine Freunde hat – auch wenn zwischen ihnen mitunter kleinere Unklarheiten bestehen, was Freunde auszeichnet –, der wunschlos glücklich sein Leben als Fastprofiwakeboarder führt und dann plötzlich mit Kiki konfrontiert wird. Und damit fangen die Probleme an."

Nun war es das erste Mal für Sie beide, ein Buch zusammen zu schreiben. Wer hatte die Idee dazu?
„Wir trafen uns bei einer Jugendbuchwoche und da hat sich das irgendwie gleich ergeben, denn vom Verlag war auch schon mal angefragt worden. Wir fanden uns sympathisch und ich konnte mir gut vorstellen, dass unseren Figuren das gleiche passieren würde, wenn sie sich zwischen Buchdeckeln begegnen würden. So war es dann ja auch!"

Gibt es regelmäßige Treffen, um sich zu besprechen?
Minte-König: „Da ich ein Forschungssemester im Ausland hatte, war es mit den Treffen schwierig. Wir telefonierten und hielten engen E-Mail-Kontakt. So gingen mehrere Versionen der Story und des Textes zwischen Berlin und Mallorca hin und her. Thomas hatte in dieser Zeit so schön vorgelegt, dass ich mich sofort herausgefordert fühlte, Kikis Position einzunehmen und ihre Interessen zu vertreten. Das Mädchenbild passte zunächst nämlich nicht so ganz zu ihrem Charakter."
Fuchs (lacht): „Dem möchte ich nur hinzufügen, es war auch zwischendurch echt hart zu lesen, wie Kiki so über meinen Timo urteilte. Was hatte die nur für ein Jungenbild?"

Wie teilt man die Aufgaben auf?
Minte-König: „Da war nichts aufzuteilen. Weil ich noch am Forschungsbericht saß, fing Thomas schon mit dem Jungenbuch an und ich habe dann einfach darauf reagiert. Es flogen ein paar Fetzen (zwischen unseren Helden Kiki und Timo) und das belebte alles ungemein.
Fuchs: „Das war ein echtes Abenteuer. Wie Fernschach, nur aufregender. Man wartet auf Post. Fragt sich, wie wird Bianka auf die letzte Vorlage reagieren? Irgendwann kommt die Mail, wird sofort gelesen und dann kommt die Empörung: Wie kann sie das wagen! Und dann wird der Konter geschrieben. Und das Spiel geht weiter."

Gab’s manchmal unterschiedliche Meinungen?
Minte-König: „Die beiden Bücher leben aus der unterschiedlichen Sichtweise von Jungen und Mädchen und da wir ja Mann und Frau sind, teilen wir diese Sichtweisen ja auch irgendwie. Wir hatten nie das Interesse, diese Unterschiede gleichmacherisch in einen Liebesbrei zu vermatschen.
Wir haben Kompromisse gemacht, wo es sinnvoll war und unsere Eigenständigkeit und die unserer Figuren da toleriert, wo es nötig war. Das ist super gelaufen."
Fuchs: „Natürlich gab es unterschiedliche Meinungen. Immer wieder, aber das macht bei so einem Projekt doch auch den Reiz aus. Und dann heißt es, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wie in jeder anderen Beziehung zwischen Mann und Frau auch. So ist das Leben. Und es war klar, am Ende müssen Kiki und Timo in ihrem jeweiligen Buch als Gewinner aus der Geschichte hervorgehen."

War es leichter, als allein ein Buch zu schreiben?
„Minte-König: „Nein, das war es nicht. Weil es doch einen größeren Abstimmungsbedarf gab und wir mehrere Versionen schreiben mussten, bis wir zufrieden waren. Aber es war deutlich einfacher, als ich zu hoffen gewagt hatte. Also gerne mal wieder!"
Fuchs: „Hätte ich nicht besser sagen können."

Was ist wichtig, wenn man zusammen ein Buch schreiben will?
Minte-König: „Man sollte, wie wir, auf einer Wellenlänge liegen und sich klar darüber sein, dass man gemeinsam etwas Tolles für die Leser auf die Beine stellen will! Etwas richtig Kreatives eben. Das ist ganz wichtig für das Engagement. Und es ist schon nicht schlecht, wenn man sich sympathisch ist und den Schreibstil des anderen mag, auch wenn er anders ist als der eigene. Wie gesagt, man muss bereit sein, den anderen so zu lassen, wie er als Autor ist.
Fuchs: „Einfach immer sportlich fair bleiben."

Wie lange dauerte der Denk- und Schreibprozess?
Minte-König: „ Na ja, etwas länger schon als sonst, aber andererseits wurden bei mir zum Beispiel viele Ideen für Kiki direkt durch das Denken und Handeln von Timo ausgelöst. Sozusagen als Retourkutsche. Die Szene, wo die fettigen Kartoffelpuffer durch die Gegend fliegen, ist so entstanden und manch andere peppige Situation, wie etwa die Szene im Cafe mit Dave Devine und der Ohrfeige für Timo."

Hat's Spaß gemacht?
Minte-König: „Ja, sehr! Ich denke, die Leserinnen werden das beim Lesen des Buches merken. Und übrigens, mir gefällt das Jungenbuch auch sehr! Und ich kann es neugierigen Mädchen nur ans Herz legen! *g*
Fuchs: „Es hat eine Menge Spaß gemacht. Und ich habe ´ne Menge gelernt, ich wusste echt nicht, dass Frauen so anders denken, wirklich. Die können ja richtig fies sein! Von daher: Kerle, ran an die Mädchenbücher. Das ist wie Fantasy, Geschichten aus einer anderen Welt, nur wesentlich gewinnbringender."