
Ohne Plan B-Plan A reicht völlig
Ich lag mal wieder auf meinem Bett und flötete der Musik hinterher. Seit drei Wochen ist „Eternal Flame“ mein Lieblingslied. Meine Mutter sagt immer ich soll mir nicht so einen Liebesschmus reinziehen, normalerweise hasste ich so etwas auch, doch seit drei Wochen, genauer gesagt seit zwei Wochen drei tagen und fünf Stunden dudelte so etwas den Mp3 Player rauf und runter.
In meinem Kopf schwirrte nur noch eines oder nur noch einer. Max! Ich erwischte mich nun schon wieder dabei, die ganze zeit an ihn zu denken. In solchen Momenten fühlte ich ständig so ein komisches Kribbeln im Bauch. In letzter Zeit schwirrte sogar der Gedanke in meinem Kopf, dass ich mich verliebt habe. Ich also bitte, ich, dass ich nicht lache. Doch ich glaube ich muss mich damit abfinden, immerhin ist er ja wirklich total süß. Ich hatte es erst einmal für mich behalten, noch nicht einmal Soße, meiner wirklich besten Freundin hatte ich ein Sterbenswörtchen von ihm erzählt.
Zum Glück fragte sie mich gerade ebne nach der Schule nicht, warum ich nicht wie jeden Mittwoch nachmittag nach der Schule mit ihr zu Alfonso in die Eisdiele kam.
Nachdem es zum Schluss Dong geläutet hatte, bin ich sofort aus der Klasse gestürmt und als mich Soße fragte, ob ich heute lieber Vanille- oder Erdbeereis essen wollte, warf ich ihr nur knapp entgegen: „Sorry, aber kann nicht. Können telen. Bussi!“ Und schon war ich weg.
Doch kurz bevor ich vom Schulgelände verschwunden war, passierte es! Ich stieß mit jemandem zusammen. Ich hörte nur ein raues: „Oh sorry!“ Als ich dem jemand in die Augen schaute, stand mir niemand anderes als mein Max (na ja vielleicht war er in Moment noch nicht MEIN Max, aber dennoch) mit seinen süßen, verwuschelten, blonden Haaren gegenüber.
Mein Herz klopfte wie wild, hoffentlich merkte er nicht, wie meine Backen anfingen rot zu werden. Das Einzige, was ich mir noch zurecht stammeln konnte, war: „He... He... Ma... Max... Nicht so schlimm nichts passiert.. He... He !“ (Na ja nichts passiert, meine ganzen Bücher, die ich gerade eben noch in der Hand hielt, waren nun auf dem Boden verteilt.)
„Jule, alles okay mit dir?“, fragte er mich. „Klar... Alles... c.. c.. Cool!“, ich muss ganz schon blöd ausgesehen haben, denn bevor ich auch noch etwas sagen konnte, ging er kopfschüttelnd an mir vorbei.
„Oh man!“ , tadelte ich mich, „ man Jule, du bist so blöd! Jetzt stand er dir mal gegenüber und du bekommst die Zähne nicht auseinander!“
Sonst war ich immer so schlagfertig und frech und jetzt stand ich so nem Jungen gegenüber und bekam kein Wort mehr heraus. Meine Chance, vergeigt!
Und jetzt lag ich, Jule Ahnd, mit meinen bald 13 Jahren auf meinem Bett und überlegte, wie ich Max morgen in der Klasse meine Liebe gestehen könnte.
Er ist einfach mein Traumprinz! Nach einer halben Stunde, nach dem mein allerliebster Lieblingssong nun schon mindestens zehn Mal hoch und runter gedudelt war, stand ich sichtlich zufrieden auf, machte meine Hausaufgaben im Blitzverfahren und freute mich schon auf Morgen, wo ich meinen ausgedachten Plan durchführen konnte. Er war einfach idiotensicher.
„Man Jule! Ich hab dich jetzt schon zum fünften Mal gerufen, es gibt Abendessen!“, meine Mutter platzte ohne vorher Anzuklopfen in mein Zimmer und schnauzte mich sichtlich wütend an.
Doch mich konnte nichts mehr aus der Ruhe bringen. Ich drückte meiner verdutzten Mutter einen Kuss auf die Wange und ging hinunter ins Esszimmer während ich noch zu ihr hoch rief: „Komm schon, wo bleibst du denn?“ Anscheinend war sie etwas verwirrt, da ich ihr nicht wie sonst so oft irgend einen zickigen oder gar schnippigen und frechen Kommentar an den Kopf warf, sondern eher lieb (wenn es diesen Zustand bei mir überhaupt gab) die Treppe hinunter ging.
Meine Heiterkeit war einfach nicht mehr zu stoppen! Ich legte mich gegen zehn Uhr ins Bett und schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Ich konnte es gar nicht erwarten, meinen Wecker um sieben Uhr klingeln zu hören. Heute machte ich mich besonders schick, ich zog meinen schwarzen Minirock mit einer Leggin, ein schönes glitzerndes T-Shirt und meinen legendären Hut an, unter dem meine frisch gedrehten Locken hervorblitzten.
Mein Plan war so super mega genial!!!
Die ersten beiden Stunden Deutsch, mein Lieblingsfach, saß ich, wie immer, Max in der Klasse genau gegenüber. Er zwinkerte mir sogar einmal zu, wobei ich ihn locker angrinste. Das mit dem locker war ein Wunder nach der peinlichen Aktion gestern. Also, ein Lob hätte ich jetzt mal verdient gehabt.
Ding! Dong! Ding!
Endlich, es klingelte zur großen Pause. „Nun, it´s showtime Jule “, ich musste laut gesprochen haben, denn daraufhin fragte mich Soße, die plötzlich neben mir auf dem Pausenhof stand: „Wie, it´s showtime ?“
„Ach nichts, ich rede in letzter Zeit gerne mit mir selbst, weißt du?“, log ich mir zusammen. Ich war eine schlechte Lügnerin, schließlich hatte ich ja auch keine Erfahrung mit so etwas.
Langsam ging ich auf Max und seine Freunde zu, als ich bei ihnen ankam lächelten Max und ich uns total süß an. Zu Frederik und Maike meinte ich nur: „Ihr sollt noch mal zur Schumann wegen Deutsch. War etwas ziemlich Wichtiges, glaube ich.“ Alles lief wie geplant, doch was war das? Maike zog Max hinter sich her. Nein! Was sollte das? Max sollte hier bleiben! Als könnte er meine Gedanken lesen, blieb er stehen sagte etwas zu Maike und kam auf mich zu. Puh!!! Situation gerettet. Ich wollte gerade etwas zu Max sagen, fing schon wieder dieses blöde Gestammel an, doch ich riss mich zusammen holte tief Luft: Hhhhhhh... Haaaaa...
„Hey Max, also, also was ich dir sagen wollte...“ Wir gingen ein Stück außerhalb des Schulhofes. „Also ja, was ich dir sagen wollte ist, also, ich meine, ich weiß nicht wie ich es dir sa...“ Bevor ich noch mein Gestottere zu Ende bringen konnte, kamen sich Max und mein Gesicht immer näher, ich spürte seinen Atem. Er nahm mich in den Arm und, und... Ding! Dong! Ding!
Es klingelte zum Pausen Ende. Max und ich schreckten auseinander, doch diese blöde Klingel konnte uns nicht mehr davon abhalten. Max drückte seine Lippen auf meine und dann konnten wir längere Zeit nichts mehr sagen.
5 Minuten nach dem eigentlichen Klingeln gingen wir beide Hand in Hand zusammen in die Klasse. Alle schauten uns an, als wir in die Klasse kamen, doch das Einzige, was sie zu hören bekamen, war ein lautes Schmatzgeräusch =)...
von Jule A.
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