Verklatschte Liebe

„Mannometer! Warum fällt mir einfach keine Geschichte für unser Klastsch & Tratschmagazin ein?“, rege ich mich über mich selbst auf.
Wie soll mir auch hier, in diesem Café, wo ich nichts als alte Kaffekränzchen-Tanten sitzen, eine Story über das Modern-Life einfallen? Blöd, dass mich meine Chefin auch ausgerechnet hierein gesetzt hat. Ich brauche Action! Und genau das verklickere ich jetzt meiner Chefin, Manuela.
Sofort nach dem ersten Klingeln hebt sie ab. „Hi Sophie! Bist du schon fertig?“ „Hallo. Naja, eigentlich wollte ich dich bitten, mir einen anderen Ort zum Schreiben zuzustellen. Wie soll mir hier etwas vom wahren Leben einfallen?“ „Hör zu, Sophie. So geht das nicht weiter! Sei froh, dass ich dir überhaupt eine Stelle gegeben habe. Du kannst nicht dies und das bemängeln! Brauchst du Hilfe? Ich habe gerade einen Bewerber hier. Soll ich ihn dir vorbei schicken?“, fragte sie mich ein wenig wütend und besorgt. „Ok. Nichts lieber als das. Du hast recht, es tut mir leid, dass ich dauernd meckere. Doch ich bin im Moment nicht gut drauf. Ich habe ein wenig Liebeskummer. Wer ist es denn?“ „Er heißt Alex und ist 15 Jahre alt. Moment, ich frag ihn mal, ob er einverstanden ist. Ich höre ein bisschen Gemurmel, doch ich verstehe nichts. Dann kommt sie wieder ans Telefon: „Einverstanden! In 10 Minuten ist Alex bei dir!“ Sie legt auf. Da bin ich aber mal gespannt.
Als ich circa 10 Minuten später einen Jungen durch das große Fenster erblicke, stockt mir der Atem. Ist das mein neuer Schreibpartner? Er ist umwerfend – und er scheint es zu sein! Er steuert genau auf meinen Tisch zu. Mann, bin ich ein Glückspilz! „Hey, bist du Sophie?“, meint er lässig und wuschelt sich durch seinen blonden Surferschnitt. O mein Gott, was sag ich jetzt? Ich bin echt nervös. Jetzt nur nichts Falsches sagen, geht es mir durch den Kopf. „Hi, ja die bin ich. Du bist Alex, ne?“, versuche ich cool wie möglich zu antworten. Er lässt sich nieder. „Dann lass uns mal anfangen.“ „Ja“, sagte ich ziemlich zappelig, „weißt du, über was wir schreiben sollen?“ „Ja, das hat mir Manuela schon erzählt. Aber hier drin? Komm, lass uns an den See gehen und da weiterüberlegen.“ „Ich weiß nicht“, ich bin ein wenig misstrauisch, „Manuela hat mir das verboten. Ich soll extra hier drin bleiben, damit ich nicht von Freunden abgelenkt werde.“ „Ach komm“, versuchte er, mich zu überreden, „davon erfährt doch keiner etwas.“ Ich kann ihm einfach nicht widerstehen. Ich stimme zu. Auf dem Weg zum See: „Hey, hast du nicht auch Lust auf ein Eis? Komm, wir machen eine Pause hier vor der Eisdiele.“ „Hmm, ok.“ „Welche Sorte nimmst du?“, fragte er. „Erdbeere!“, sagte ich. „Gute Wahl. Rot, die Farbe der Liebe.“ Er schaute mich an. Ich schaute zurück. Wir setzen uns auf eine Bank in der Nähe der Eisdiele. Immer wieder bemerke ich, wie er mich von der Seite mustert. „Weißt du was?“, meint er. „Was denn?“, antworte ich, die Augen am Eis klebend. „Du hast wunderschöne Augen.“ Ich sehe ihn an. „Meinst du das echt?“ „Ja.“ „Danke.“ Erst jetzt bemerke ich seine ebenfalls wunderbaren Augen. So blau wie das Meer. Er sieht zum Anbeißen aus! „Lass und anfangen.“ „Ok. Also. Gucken wir mal, worüber wir schreiben können.“ Wir sehen uns um, und etwas fällt mir auf: Überall, wo ich hinschaue, sehe ich Pärchen, die sich küssen. Anscheinend hat auch Alex bemerkt, warum sich mein Gesicht in eine Grimasse verwandelt. Auch er muss grinsen. Wieder treffen sich unsere Blicke. Er kommt mir näher. Was mach ich jetzt? Ich beschließe, einfach das zu tun, was Alex auch tut: Die Augen schließen! Unsere Lippen berühren sich. Das ist ja alles so aufregend. Mein erster Kuss. Wow! Seine Lippen sind weich und er schmeckt nach Erdbeereis. Einfach göttlich! Als wir beide die Augen öffnen, können wir nicht glauben, wer da vor uns steht. Es ist Manuela! Doch Moment, was hat sie da in der Hand? Oh nein, das darf ja wohl nicht wahr sein, sie hat ein Foto gemacht. „Herzlichen Glückwunsch ihr beiden. DAS ist der perfekte Artikel für unser Magazin: Verklatschte Liebe – was Jugendliche in ihrer Freizeit machen!“ „Woher weißt du, dass wir hier sind?“, frage ich ein wenig verwirrt. „Das nächste Mal würde ich dir raten, aufzulegen, nachdem wir telefoniert haben. Ich hab alles gehört, was ihr gesagt habt.“, lächelte sie.
Als wir am nächsten Tag wieder auf der Bank am See sitzen und die Zeitschrift durchblättern, sieht er zu mir und ich denke: Diese Liebe ist echt verklatscht!
Malina, 12 Jahre

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