
Wer kriegt den Kuss?
„Er ist echt süß“ quietschte ich nach der Mathestunde. Ellen war entsetzt. „ Ich finde ihn viel süßer!“ meinte sie. „ Ich glaube wir meinen nicht den selben“ merkte ich gerade. „ Welchen meinst du denn von den beiden?“ wollte sie von mir wissen. „ Na, David natürlich. Schau in dir doch an, der sieht doch viel besser aus als sein Zwillingsbruder Kevin. Ich habe gleich Herzklopfen gekriegt als er ins Klassenzimmer gekommen ist.“ Schwärmte ich. Ellen schaute mich entsetzt an. „ Das gibt es ja nicht! Du willst doch nicht sagen, dass wir denselben Jungen toll finden!?“ Mein Unterkiefer klappte nach unten. „ Tut mir echt leid Ellen, aber ich finde ER passt echt nicht zu DIR. Echt. Glaub mir.“ Ich musste ihr doch irgendwie diesen David aus dem Kopf schlagen… „ Nein Maybel, ich habe mich auch in ihn verliebt und daran kannst du nichts ändern“ Ich seufzte. „ Na gut. Ich mache dir einen Vorschlag. Wir machen eine Wette, wen er zuerst von uns beiden Küsst kriegt ihn.“ Ellen schaute mir tief in die Augen. „ Schön. Wenn du unsere Freundschaft aufs Spiel setzen willst.“ Ich nickte selbstsicher. Wir funkelten uns giftig an und drehten uns den Rücken zu. Mist! Was hatte ich mir denn da wieder eingebrockt? War mir die Freundschaft mit Ellen so wenig wert? Ich starrte auf den Boden. Ach was, wenn ich erst mal mit David zusammen war, würde sich doch bestimmt auch einen Freund wollen und schnappt sich gleich Kevin. Dann würde sich mir doch verzeihen.
Eigentlich gleichen sich Kevin und David ziemlich, aber David ist echt viel lockerer und hat ein echt wunderbares Lächeln. Außerdem hat David ein wenig längere Haare als sein Bruder und das ist echt viel cooler.
So und nun zu meinem Plan.
Ich zog mir mein T-Shirt ein wenig weiter hinunter, schaute mich noch einmal im Spiegel an und als ich mit meinen langen schwarzen lockigen Haaren zufrieden war, lief ich strahlend auf ihn zu. „ Hey“ flirtete ich ihn an. Er grinste. „ Wollte nur mal fragen, ob ich dir ein wenig Nachhilfe geben kann, damit du in unserer Schule nachkommst.“ „ Ja, wäre total nett“ antwortete Kevin. Er grinste mich schräg an und nun sah ich erst recht die vielen Sommersprossen in seinem Gesicht. Der sah ja so richtig scheußlich mit diesen vielen Sommersprossen aus. „ Ich habe nicht mit dir geredet“ knurrte ich. Er drehte sich beleidigt um. „ Ach du hast mich gemeint… Ich habe mich zwar mit Ellen schon zum Eis essen verabredet aber nachher wäre echt super wenn du mir ein paar Sachen erklären könntest.“ Antwortete nun David. Ich lächelte gequält über das, dass Ellen sich schon früher verabredet hatte mit ihm als ich. Trotzdem wollte ich mich um 16 Uhr mit ihm treffen.
Punkt 14 Uhr schlich ich mich aus dem Haus und ging zur einzigen Eisdiele in unserem Dorf. Ich musste ja zuerst verhindern, dass er sie küsste. Da versteckte ich mich hinter den vielen Büschen die es da gab. Tatsächlich kamen dann kurz darauf die beiden lachend daher und setzten sich an einen Tisch. Ich beobachtete sie die ganze Zeit genau. Ellen machte sich natürlich total an ihn ran, aber ich war mir sicher, dass ich das viel besser konnte. Die beiden rückten immer wie näher und ich musste mir dringend etwas einfallen lassen. Auf einmal kam er ihr ganz nah ans Gesicht und es sah so aus als ob er sie gleich küssen würde. Da nahm ich meine Wasserflasche und spritzte Ellens lange blonde Haare mit Wasser an. Beide drehten sich um, doch ich hatte mich schon wo anders versteckt. Ellen wusste genau, dass ich das war und stand wütend vom Tisch auf. Sie war so entsetzt darüber, dass sie, weil sie genau wusste dass ich da war, sich David schnappte und ihn einfach selber auf den Mund küsste. Da, hatte sie die Wette wohl verloren. Es ging ja darum, dass er uns küsste und nicht wir ihn. Trotzdem musste er zuerst mich küssen, damit ich die Wette gewonnen hatte. Also stand ich 10 Minuten später vor seiner Haustür. Er war schon zu Hause. Wir setzten uns an den Küchentisch und lösten Aufgaben. Plötzlich kam Kevin daher und fragte uns: „ Ey, kann ich da auch zuhören? Wäre echt super wenn ich auch in der Schule mitkommen würde“ Diesmal hatte ich gar nicht das Gefühl, dass ich zu ihm irgendwas gemeines sagen sollte also ließ ich David entscheiden. „ Klar, Brüderchen.“ Die Stunde verging schnell und eigentlich war es noch recht amüsant mit den beiden. Außerdem musste ich ja zuerst Vertrauen zu David gewinnen, dass er mich küsste. Später zeigten sie mir noch ihr neues Haus und danach schlenderten wir noch ein wenig im Dorf herum. Sie erzählten mir von dem Ort an dem sie vorher gewohnt hatten. Brachten mich mit ihren Witzen zum Lachen. Auch als Kevin mir ein Kompliment machte, wie gut ich ihnen die ganzen Matheaufgaben erklärt hatte wurde ich ein wenig rot im Gesicht, obwohl ich natürlich lieber gehabt hätte wenn David das gesagt hätte. Jedenfalls begleitete er mich dafür noch nach Hause.
Als wir dann vor der Haustür standen, rückte er seine längeren braunen Haare zurecht, kam mir näher und küsste mich. Ha! Ich hatte die Wette gewonnen! Aber… Was war denn das? Da war ja gar kein kribbeln im Bauch keine Schmetterlinge wie als ich ihn Heute Morgen zum ersten Mal gesehen hatte. Am Abend als ich im Bett lag, dachte ich noch lange darüber nach. Ich konnte mir das einfach nicht erklären. Ich war doch in ihn verliebt oder? Ich zerbrach mir fast die halbe Nacht noch den Kopf darüber und konnte nicht einschlafen.
Die Müdigkeit zeigte sich auch am nächsten Morgen. Kurz vor Pausenanfang schlief ich im Unterricht ein. Anscheinend merkte es gar niemand, als sie in die Pause gingen. Frau Prute weckte mich am Schluss der Stunde auch nicht auf weil sie anscheinend wollte, dass ich von selber aufwachte. Das kam mir alles ziemlich seltsam vor. Doch da hörte ich eine leise Stimme in meinem Ohr. „ Aufstehen“ flüsterte sie. Als ich zu müde war um darauf zu reagieren spürte ich kurz darauf etwas weiches Zartes auf meinen Lippen. Es schmeckte sehr gut. Nach… Liebe. Das war ein Kuss! Ich schlug die Augen auf doch im Klassenzimmer war nur noch Frau Prute. Ich packte schnell meine Sachen zusammen. „ Nach der Schule nachsitzen, Maybel! „ meinte sie. Ich nickte. Als ich dann im Gang stand, sah ich am Treppengeländer noch einen braunen Haarbusch. „ Warte“ rief ich ihm zu und als er sich umdrehte, staunte ich. „ Du?“ Er lächelte schüchtern. Auf einmal, sah ich ihn wie aus anderen Augen an. Sein Lächeln, war echt umwerfend, seine kürzeren Haare echt süß und seine Sommersprossen… noch viel süßer als alles andere. Er öffnete leicht seinen Mund um etwas zu sagen, doch ich hielt meinen Zeigefinger darauf. „ Der Kuss…“ ich schluckte leer, „ … das war...unglaublich“ Er wurde ganz rot im Gesicht und ich lächelte ihn nur an. „ Aber was ist mit David? Ich dachte du…“ erwiderte er dann doch.“ Stimmt“ unterbrach ich ihn, „ da muss ich noch etwas klären.“
Auf dem Pausenhof suchte ich David und Ellen auf. Dann wollte ich mit ihnen alles klären. „ Wie fandest du den Kuss Gestern?“ fragte ich David. Er schluckte und Kevins Unterkiefer klappte nach unten als er das hörte. Ellen stand daneben, schluckte und hob die Augenbrauen. Nach einigen Schweigemomenten antwortete er dann. „ Wenn ich ehrlich bin… Ellen und ich haben uns Gestern auch geküsst. Ich hab von eurer Wette gehört und wollte wissen welche von euch beiden besser Küssen kann.“ „ Ach und?“ ich war gespannt auf seine Antwort. Er schluckte. „ Ich war mir bis Gestern Abend noch nicht ganz sicher aber... jetzt weiß ich das... ich mich über beide Ohren in... dich, Ellen verknallt habe...“ meinte er und sah Ellen tief in die Augen. Was für eine süße Liebeserklärung! Ich strahlte die beiden an. „ Ihr beide wärt ja echt so süß zusammen“ quietschte ich. Ellen verstand gar nichts mehr. „ Aber…“ Doch dann schnappte ich mir schnell Kevins Hand und grinste sie breit an. Dann verstand sie alles. Auch David. Er blickte ihr in die Augen und sie wurde ganz rot im Gesicht. Sie näherten sich immer wie mehr...
Kevin schaute mich nun auch an. Er lächelte vertraut und glücklich. Ich lehne mich an seine starke Schulter und lasse mich von ihm in den Arm nehmen. „ Ich liebe dich“ krächzten wir beide fast gleichzeitig. Wir grinsten uns an. Mein Herz klopfte als unsere Lippen sich berührten. Jetzt spürte ich es. Das Kibbeln im Bauch. Da waren sie wieder, die vielen Schmetterlinge.
Sara
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